Pokalsieger 2010

Bericht des Siegers Werner Block

Zweite Chance genutzt - Revanche im Finale

Bei der diesjährigen Pokalrunde traten 12 Schachfreunde an, um in sieben Runden den Pokalsieger auszumachen. Für mich begann das Turnier wie jedes Jahr mit mühsamen Siegen in den Anfangsrunden. So konnte ich mich zwar in der ersten Runde wieder darauf verlassen, dass Heinz Pacholleck auch ausgeglichene Stellungen weiterspielt, um sie möglichst noch zu verderben, weshalb ich mir das Remisangebot verkniffen habe, das um den 30. Zug herum angebracht gewesen wäre. Heinz rang sich wenig später dann doch dazu durch, seinerseits Remis anzubieten, just in dem Moment, wo er in eine Stellung zog, die ihm erst einen Bauern und dann die Partie kosten musste. Die Partie zog sich noch bis zum 69. Zug hin, dann war aber endgültig Schluss. Insgesamt gab es in der ersten Runde keine Überraschung.

Eher planmäßig verlief die zweite Runde. Gegen unseren neuen Webmaster Mehmet kam ich als schwarzer nie in Nachteil. Auf den Verlust eines zentralen weißen Bauern folgte auch noch der Einsteller eines Turms. Nach ein paar weiteren überflüssigen Zügen folgte die zwangsläufige Aufgabe. Heinz Großmann besiegte Andreas Formazain. Manfred Küsters Niederlage gegen Fred Lenkeit kam etwas unerwartet und deutete eine Schwächephase nach dem so erfolgreich verlaufenen Berliner Qualifikationsturnier an, in dem er groß aufgespielt und gegen härteste Gegnerschaft 6 aus 9 gemacht hatte, um damit einen 19. Rang unter 133 Teilnehmern zu belegen.

Unvermeidlich wie in fast jedem Jahr folgte den Anfangserfolgen die prompte Niederlage gegen Heinz Großmann in der dritten Runde. Zu dem Zeitpunkt waren noch Kandidaten wie Fred Lenkeit, Andreas Formazain und Manfred Küster im Rennen.

Nach vielen Terminverschiebungen und einem Freilos traf ich dann in der fünften Runde auf Fred. Der ging die Partie nicht sehr engagiert an und warf schon das Handtuch, nachdem er eine Qualle verlor. Eigentlich kein Grund, die solide Stellung hätte man durchaus noch spielen können, aber Spaß macht eine Minusqualität natürlich nicht, wenn man keine ausgesprochene Kämpfernatur ist. In derselben Runde trafen mit Andreas und Manfred zwei alte Haudegen aufeinander, die sich gut kennen und wo der Spielausgang immer offen ist. Schön anzusehen war, wie sie sich den Spielabend auch schön eingerichtet haben, arrangierten sie doch ihre Partie mit einem guten Brett und schönen Figuren hochkonzentriert im stillen Dachkämmerchen aus. Leider kommt die Schachkultur bei uns oft zu kurz, fiel mir bei der Gelegenheit mal wieder auf.

Am Schluss zog Manfred in die nächste Runde ein, um dort auf Günter Hahn zu treffen. Und wie es sich für einen Pokal gehört, gelang unserem Dauergastspieler die Überraschung: Sieg in einem lange remislichen Endspiel über den ausgepowerten Manfred Küster.

Ich war also nicht wenig überrascht, als mir als Halbfinalgegner Günter Hahn gegenüber saß. Noch mehr irritierte mich, dass er sich als Weißer in meiner Caro-Kann-Verteidigung theoretisch up-to-date zeigte und ich nie die Spur eines Vorteils hatte. Im Gegenteil: Ich hatte nie Ausgleich, keinen Angriff, und als alle Figuren vom Brett waren stand ich im Bauernendspiel auf verlorenem Posten. Aber er fand die Gewinnzüge nicht, die Heinz, der neben dem Brett saß, mit leichter Hand demonstrierte, nachdem plötzlich ohne genaue Erklärung Günter zu quasseln anfing und irgendwie nicht mehr weiterspielen wollte. Also Remis. Um dem grausamen Spiel ein Ende zu bereiten, wollte ich auch gleich noch die anstehende Schnellpartie hinter mich bringen. Nach wenigen Zügen hatte ich Bauer und Qualle verloren und musste mich aufs Schwindeln verlegen. Günter, der davon überzeugt war, dass verlieren müsse, wer solch eine Gewinnstellung, wie er sie in der Partie hatte, nicht zum Sieg führen könne, tat mir auch noch den Gefallen, sich selbst zu bestätigen. Er ließ sich die Dame rauben und hat folgerichtig gleichzeitig das Handtuch geworfen.

Somit stand ich im Endspiel, wo Heinz auf mich wartete, mit dem ich ja noch ein Hühnchen zu rupfen hatte. Hochmotiviert kam ich ans Brett, um in einer mir nicht vertrauten Eröffnung (skandinavisch, ich hab's mir selbst ausgesucht) schon nach fünf Zügen am liebsten aufgeben zu wollen. Die Partie war platt und wurde immer platter. Heinz kennt eben doch so ziemlich jede Art von Eröffnung und ist kaum zu überraschen. Ich zog mit der Dame, er entwickelte Figuren. Als er dann nach dem finalen Killerzug fahndete, wurde er dann doch einen Moment lang leichtsinnig, was zu der Konstellation Turm gegen drei Mehrbauern führte. Da hab ich mich dann wirklich nochmal konzentriert. Und so wie ich in der dritten Runde nach 34 Zügen aufgeben musste, musste dies jetzt nach ebenfalls 34 Zügen Heinz tun. Unser Konto war somit ausgeglichen, aber der Pokal gehört mir.